Adel verpflichtet

Letzte Tage, nachdem ich "Steine der Macht" gelesen hatte, fand mich ein weiteres Buch. Es ist von dem Sohn des Geigers Menuhin, der mich durch Schallplatten meiner Eltern durch meine Kindheit begleitet hat. 

Ich hatte von diesem Buch schon gehört, fühlte mich bisher jedoch nicht angesprochen (https://bumibahagia.com/2016/11/10/gerard-menuhin-wahrheit-sagen-teufel-jagen-verbreitung-in-buchform/ ).

Nun saß ich im Zug nach Berlin zu einem beruflichen Termin und kam dazu, es zu lesen. Schnell wurde klar, dass es sich mit den "Steinen der Macht" und einem anderen Buch mit dem Titel "Hitler aus nächster Nähe" (Otto Wagener) in eine Reihe gesellte. Der Themenkomplex scheint gerade im Feld zu liegen...


Menschen, die sich über Wahrheit und deutsche Historie ohne Nachkriegsumerziehung Gedanken machen. Die sich ein eigenes Bild machen, von dem was passiert und passiert ist. Und immer wieder kam in allen drei Büchern das Thema Adel und seine Stellung zur Sprache. 


Ich habe bisher ein mißtrauisch-distanziertes Verhältnis zu dieser Gruppe Menschen gehabt. Waren sie für mich irgendwie zum Einen ein Teil einer mäßigen Inszinierung in der Boulevardpresse, zum Anderen ein Relikt aus vergangenen Zeiten. 


Durch die Beschäftigung nun mit der näheren deutschen Vergangenheit gewann ich ein lebendigeres Bild. Vom deutschen Adel während des zweiten Weltkrieges, von europäischen Monarchien und auch von der kollektiven Aufgabe, die Adlige in der Gesellschaft warnehmen könnten. Denn dieser Blickwinkel, den Menuhin im Laufe seiner Erzählungen anschneidet, war mir nicht geläufig. 


Was sollte das für eine Aufgabe sein?


Kurz: der Adel - in unserem Fall der deutsche Adel (und bitte jetzt die rechte Keule im Schrank lassen, denn dies ist unpolitisch :-) ) -  sind diejenigen, die durch  "...Loyalität einem Land und seinen Traditionen gegenüber..." (S. 208) glänzen sollten. Dies war auch der Eindruck, den ich gewann, während ich die Erzählungen des o.g. Buches über Hitler las. 


Adlige, die zu damaligen Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch häufig in Militärdiensten standen, fühlten sich dem Land verpflichtet. Dem Land, das sie ernährte, schützte und ihnen eine Heimat gab. 


Und jetzt? Wie ist das bei uns?


Nationalgefühl wird als "rechts" kategorisiert, Nationalstaaten werden zugunsten einer EU-Regierung aufgelöst, eine Nationalität zu haben gilt als unschicklich in der globalisiert-individualisierten Weltsicht. Und die Nationalmannschaft heißt nur noch "die Mannschaft".


Ich jedoch fühle mich diesem Land zugehörig. Ich fühle mich deutsch. Ich liebe dieses Fleckchen Erde in Mitteleuropa. Meine Wurzeln sind hier, meine Sprache ist hier zuhause, meine kulturellen Wurzeln in Vergangenheit und Gegenwart finde ich HIER. Ich mag die kollektiv-deutschen Eigenheiten von Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ordnung. Sie erleichtern das Leben miteinander. Ich mag die regionalen Geflogenheiten der Länder und die Akzente in den Regionen.


Hier sind meine Wurzeln. 


Globalisierung entwurzelt durch Gleichmachung und Individualisierung um jeden Preis. Entwurzelte Menschen sind leichter zu manipulieren. Ein Schelm, wer Böses denkt...


Deutscher Adel hat zumindest zu Beginn des letzten Jahrhunderts sich eingebracht für dieses Land. Hat sich verpflichtet gefühlt. Adel verpflichtet. Dieser Ausspruch wurde mir erst jetzt in seiner Gänze klar.


Lasst uns diese tradierte Wertevorstellung wiederbeleben. Haben wir den Mut unser Land zu lieben. Ohne gleich eine politische Richtung einschlagen zu müssen. Rein kulturell-gesellschaftlich.


Lasst uns nachdenken, wie wir hier in diesem Land leben wollen. Welche Werte uns wichtig sind. Wofür Deutschland steht. Welche Regeln wir für unser Zusammenleben festlegen wollen....Lasst uns also Verantwortung übernehmen für diesen Platz. Für Deutschland. In der Tradition des Adels, lasst uns adlig sein. Adel verpflichtet. Wir sollten uns daher verpflichten, diesen Platz hier zu gestalten. Uns auszutauschen über unsere Art hier leben zu wollen. 


Eine Nation sein.


Und damit Mutter Erde helfen und sie ehren. 


PS: Dies ist ein zuriefst unpolitischer Post und ich distanziere mich von jeglicher politischer Couleur. Danke für das Verständnis.