in meiner Mitte, da bin ich zu Haus...

....singt Annett Louisan in einem ihrer Lieder. 


Wo bist du zu Haus in dieser turbulenten Zeit des Umbruch, fragte mich ein mir nahe stehender Mensch, bezüglich meines Blogs und meinte "wo bist du politisch zu Haus?".


'Nirgendwo" war das Erste, was mir dazu einfiel. 


Ich hatte einen hervorragenden Geschichtslehrer auf dem Gymnasium, habe "das Kapital" gelesen, Biographien von Rosa Luxemburg, Simone de Beauvoir, Chrustschow, Albert Schweitzer genauso wie große Hochkulturen wie die der Assyrer, Sumerer, Römer und Griechen oder auch Mayas und Azteken studiert. Die Dynastien der Ottonen und auch Hitlers Weltanschauung kennen gelernt. 


Dieser wunderbare Geschichtslehrer, Hisoriker und Germanist hat mir Anfang der 1980ger biologisch-dynamischen Landbau nahegebracht, mit Pflugtiefen, Fruchtfolge und Qualitätskriterien. Wir haben Verfassungen der jungen USA, des deutschen Kaiserreiches und alle Strömungen der französischen Revolution inklusive der Verfassung bis auf den Grund seziert. Von allen Seiten beleuchtet und in den historischen Kontext gestellt. Die Völkerwanderungen mit ihren Lautverschiebungen waren Thema, wie auch deutsche Sprachentwicklung im Zusammenhang mit romanischen oder germanischen Sprachstämmen. Dadaismus, genauso wie die Kurzgeschichten von Bertold Brecht und den Nachkriegsschriftstellern wurden in den politisch-historischen Kontext gestellt. Die völkerrechtliche Bedeutung des frühen Mittelalters für die Moderne analysiert.


Damals fand ich diese Tiefe der Themen häufig mühsam. Hatten doch die anderen Klassen weit weniger "Arbeit" mit diesem Unterrichtsfach. 


Was sollte mir Hegels Dialektik nützen? Warum waren die Sumerer wichtig?


In der Oberstufe kamen durch Leistungskurse in Geographie und Biologie umfassende Kenntnisse in volkswirtschaftlichen, meterologischen und geopolitischen Zusammenhängen dazu. Die noch junge Molekularbiologie und Genetik genauso wie die Verhaltensforschung fanden Tiefe. 


All diese Themen begleiteten mich während meiner Kinder- und Jugendzeit im immer präsenten historischen und auch politischen Alltag in meiner Heimatstadt, der Königin der Hanse. Direkt an der Grenze zur damaligen DDR. Ich weiß noch wie es war, am Strand zu spielen und auf dem Wachturm 500 Meter weiter stand ein bewaffneter Mensch mit der MP im Anschlag. Gelebte Ideologien im Alltag. Für uns Kinder normal.


Auch der stetige Umgang mit der christlichen Religion war mir in die Wiege gelegt. War mein Onkel doch der Bischof in Schleswig-Holstein. Die große Familie fand sich oft zusammen und es ergaben sich jedes Mal intensive und durchaus kontroverse Gespräche zwischen meinem Vater und dem Onkel, denen ich als Kind lauschen durfte. Mit fortschreitendem Alter wuchs auch in diesem Bereich mein Wissen und die Tiefe in Bezug auf die historische Entwicklung des Christentums auch in Bezug auf die anderen Weltreligionen. Zwei Prüfungen legte ich als junge Erwachsene in diesem Bereich dann auch ab.


Ich danke allen Menschen, die mich in meiner Entwicklung auf dem Weg zum Erwachsenen so umfassend gebildet und ausgebildet haben. Seid gesegnet.


Als Erwachsene habe ich mich parteipolitisch engagiert und pädagisch ausgebildet. Habe Rudolf Steiner durchdrungen und Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele verstanden. Grundlagen in Sanskrit erforscht und mich auch dem Konsum hingegeben. 


Wo bin ich also zu Haus?


Ich habe durch mein Studium Generale des Lebens verstanden, daß Allem eine Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Eine, die in dieser Galaxie überall gilt. Im Großen wie im Kleinen. In der inneren Ordnung der Fraktale, wie auch in der Spiralgalaxie an sich. In der Physik und in der Sprache, in der Musik und der Mathematik.

Eine Gesetzmäßigkeit, die durch die kosmischen Gesetze abgebildet wird. Die durch Spiritualität und auch Religion gelebt werden kann. Die allen historischen und auch geo-politischen Vorgängen inne wohnt. 


Weil sie ein Teil aller Schöpfung dieses Planeten ist. Jedes Lebewesens. Jedes Gegenstandes, jedes Zeitalters.


Wo kann ich ergo nur zu Hause sein? 


Abseits von politischen Richtungen, Ideologien, Weltanschauungen und Religionen.


In der Liebe zur Schöpfung, die sich ausdrückt in jedem Lebewesen, ob Pflanze oder Tier. Die sich widerspiegelt in der Harmonie der Dinge, sei es im goldenen Schnitt eines Gemäldes oder in der Architektur eines Gebäudes. Und die sich ausdrückt in der liebenden Hüterschaft von allem was ist. 


Namaste ♡