Freiheit, die ich meine

"Freiheit, die ich meine..." heißt ein kraftvolles Lied von Peter Maffay


Gestern konnte ich die Kraft und auch die Hoffnung spüren auf seinem Konzert. Fünfzigtausend Menschen, die im Takt wippen, mitsingen, klatschen.

Zu einer Seelenkraft verschmolzen. Spürbar die Sehnsucht nach wirklicher Freiheit. Spürbar die Aufbruchstimmung, endlich die politische Gängelung überwinden zu wollen. Sichtbar alle Altersgruppen, alle Gesellschaftsschichten. 

Ich habe mich mittragen lassen in dieses Gefühl von Gemeinschaft. Die Gemeinschaft, die in Freiheit des Einzelnen und doch durch eine gemeinsame Vision verbunden ist.

Durch den Wunsch, auf eine einzigartige Weise miteinander leben zu wollen. 


Vielen vor Ort ist dieser Wunsch sicher noch nicht bewußt. Noch nicht in Sprache überführbar. Aber durch die Herzenskraft des Einzelnen und eben die Musik fühlbar. Muttersprache transportiert den Wunsch des Herzens. Musik drück ihn aus. Und Bewegung lässt ihn sichtbar werden. 

Diesen unbändigen Wunsch, die deutsche Lebensweise ausdrücken zu dürfen. Deutsch sein zu dürfen. Gefährliche Worte im derzeitigen politischen Theater.


Aber was zeigte sich gestern dort ganz zart?


Eine liebevolle Hinwendung zur eigenen Geschichte. Eine Zeitreise in die 70ger mit Liedern, die alle textsicher singen konnten. Eine Reise von Zeitzeugen, denen die atomare Bedrohung der 80ger Jahre noch in den Knochen hängt. Und die fast schon verblasste Erinnerung an eine Identität auf diesem Planeten. An Made in Germany. An die Identität deutsch zu sein. Als Einzelner und als Nation.


Ich interpretiere zu viel in dieses Konzert? Nein. Ich spüre. Ich sehe. Und ich höre. 

Spüre die Kraft und Liebe in den Liedern, in denen es um gesellschaftliche Dinge geht. Sehe den Glanz in den Augen der Menschen. Höre den starken gemeinschaftlichen Gesang. Er transportiert mehr als alles Kognitive die Sehnsucht der Herzen.


Und nehme in diesem Gemeinsamen wahr, dass es Herzenswunsch der Menschen ist, ihre Umwelt und ihren Lebensraum - ihr Land - gemeinschaftlich gestalten zu wollen. Ihre Art des gesellschaftlichen Miteinanders ausdrücken zu wollen im Weltengefüge. Ohne Maaßsche Reglementierungen, ohne absonderliche Auswüchse der politischen Akteure, ohne die perfiden Pläne von selbsternannten Eliten.


Was im Laufe des Abend sehr deutlich wurde, war, daß die Menschen den Status Quo durchaus sehen. Ihn in seinen Auswüchsen benennen können. Analysieren. Beschreiben. Diskutieren. 

Aber bisher in diesem Land immer noch die Fassungslosigkeit präsent war über das, was in den Nachkriegsjahren auf familiärer Ebene bei Vielen geschah. Was jetzt gesamtgesellschaftlich sichtbar wird. Damals durch "Befreier" heute durch "die, die noch nicht so lange hier sind".


Was dazu führte, dass in vielen Familien nicht gesprochen wurde über die körperlichen, seelischen und emotionalen Verletzungen. Die Herzenskraft und Liebe zum eigenen Land wurde weggeschlossen. Zu stark war der Schmerz. Individuell. Heute nun kollektiv.  Die Wunde bricht auf. Gesamtgesellschaftlich.


Musizieren ist dabei eine wundervolle Art, sich und damit die Gesellschaft zu heilen. Ohne politische Korrektheit zu sagen, was gesagt werden muss. "Freiheit, die ich meine...ist viel Gefühl und Mut".