Was ist deutsch? Teil 3 mit einem Gastbeitrag

Was ist deutsch, fragen wir uns in regelmässigen Abständen. 

 

"Diese Frage zu beantworten fällt mir schwer", sagte eine liebe Weggefährtin letztens während einer Unterhaltung mit Mehreren. Und dann fiel doch allen Beteiligten nach und nach etwas dazu ein. Und plötzlich sprudelte es. 

 

Auch das ist deutsch. Erst zu denken, daß etwas nicht geht und dann doch excellente Lösungen zu entwickeln. Wie ein Lotus aus dem Schlamm zu erblühen. Mag das deutsche Volk noch so geschunden sein. Mag es gequält, an der Nase herum geführt und auch fast vernichtet worden sein. Es erblüht erneut. Es folgt seiner Seelenkraft. Über alle Hindernisse hinweg. 

 

Denn das Gute übersteht alles. Überwindet alle Schwierigkeiten. Findet immer einen Weg. Auch diesmal. Es wird keinesfalls in Spaltungen untergehen. Sich instrumentalisieren lassen. Aber es wird auch konsequent für die eigenen Werte einstehen. Bennennen was falsch ist. Und so den eigenen Raum schützen. Ob es nun anderen Kräften passt oder nicht.  Auch das ist deutsch. Unbeirrt weiter gehen. Auch wenn die Verletzungen gross sind.

Schütteln und aufstehen. Weiter gehen, neu erblühen. Sich von allen falschen Mänteln befreien. Und mit der kollektiven Kraft des Herzens ohne Haß den Claim neu abstecken. 

 

Was ist also auch deutsch? 

 

Die Fähigkeit aus einem langen Schlaf zu erwachen, um unbeirrt den Seelenweg zu gehen. Ungeachtet aller angebotenen Illusionen. 

 

Und so reiben wir uns die Augen, schütteln den Kopf, ob der dargebotenen Dramen und erblühen erneut. 

 


Zum Erblühen gehört auch der Dialog zum Thema "Was ist deutsch". 

 

Immer mehr Menschen beteiligen sich daran in vielfältiger Form. Als Feedback per Mail, auf VK, im persönlichen Gespräch. 

 

Ein wunderbarer Beitrag über das typisch deutsche Essen, der mich sehr berührt hat, kommt von Heide Preiss. Danke Dir aus vollem Herzen für Deine sehr persönlichen Zeilen und dafür, dass ich sie hier als Gastbeitrag bringen darf.♡

 

Himmel auf Erden?
Eines Tages gab es im Kindergarten einen auf den ersten Blick nicht definierbaren Eintopf und ich fragte die Kindergärtnerin, was das sei? „Himmel und Erde“, meinte sie. ????. „Kartoffeln und Äpfel“. Eigenartige Kombination, dachte ich schon als Kind und mir schmeckte das Gericht überhaupt nicht nach Himmel, sondern sehr viel mehr nach Erde. Ich habe es nie mehr gegessen.


Was gab es zu essen damals in der Zeit nach dem Krieg? Wir wohnten in einem Bauernhaus mit einem Misthaufen vor der Tür und Oma Irma, wie sie von allen Bewohnern genannt wurde. Sie war zahnlos und ich sah sie einmal Pellkartoffeln mit Sirup essen, Rübensirup. Diese Kombination hätte ich nicht gewagt, auch wenn die Auswahl nicht groß war und ich gerne Sirup aufs Brot aß. Ein besonderes Brot war es und hieß Gersterbrot. Trotz der vielen guten Brotsorten, die in Deutschland gebacken werden, habe ich es nur einmal beim Lidl wiederentdeckt, im Geschmack aber nicht mehr so gut, wie ich fand.


Als die Zeiten langsam besser wurden, gab es zu Weihnachten auch mal einen Gänsebraten. Das war ganz in deutscher Tradition und sicher etwas besonderes für uns damals, nur schmecken tat er mir nicht. Lieber mochte ich die Leberwurstkringel, die wir Kinder geschenkt bekamen, wenn im Dorf ein Bauer geschlachtet hatte. Da hingen dann die Schweine an der Hauswand und bluteten aus für die Blutwurst. Wir wußten, daß es dann bald Brühe und Leberwürste für uns Kinder gab. Sonst lebten wir vegan, wie man heute sagen würde, nicht aus Überzeugung sondern aus Not-wendigkeit. An Gerichte wie Rouladen, Sauerbraten mit Rotkohl und Kartoffelklöße, Schweinshaxe mit Sauerkraut, Bratwürste war gar nicht zu denken. Doch, Heiligabend war der Tag der köstlichen Bratwürste und es gab zur Feier gleich zwei davon, mit Rosenkohl und Salzkartoffeln. Der Stollen über die Weihnachtstage war natürlich ein selbst gebackener und das tue ich noch heute, einen Sächsischen Stollen backen. Nicht, weil ich aus Sachsen komme, sondern weil ich denke, sie können es am besten.


Wir zogen mehrfach um in diesem wunderbaren kleinen Ort. Unsere letzte Station waren drei Zimmer in einem echten Schloß, ohne fließendes Wasser, das man sich an einer Zapfstelle holen mußte. Die ganze obere Etage dieses Schlosses war mit Flüchtlingen belegt, überwiegend Adel aus Ostpreußen. Zu diesem Anwesen, das einem Baron gehörte, gab es Ländereien, eine große Gärtnerei, einen Kuhstall, Pferdestall und Schweinestall und Heuboden für all die Kinder, die mit Vorliebe dort herumtobten.


Ein Backhaus gab es auch und einmal die Woche wurde der Backofen mit Holz angeheizt und Sauerteigbrote gebacken. Wenn Kartoffelernte war, es gab noch die guten alten Sorten wie z.B. die Sieglinde, kam ein gußeisernes Dampfgerät auf den Hof gefahren und es wurden Kartoffeln für das Schweinefutter gedämpft. An diesem Tag gab es in all den Familien, die auf dem Gutsanwesen wohnten, Pellkartoffeln. Nicht mit Sirup, 😊 sondern mit Quark und Butter.