Wo sind all die Firmen hin?

Wo sind all die Blumen hin, wo sind sie geblieben? 

 

So beginnt ein Lied, das in meinen Kindertagen populär war. Und so frage ich mich heute: Wo sind all die Firmen hin, wo sind sie geblieben? Und denke dabei an all die kleinen Einzelhändler, Handwerksbetriebe, Tante Emma Läden; an die Mittelständler, die in jeder Stadt anders waren und so eine große Vielfalt boten. 

 

Ja, es gibt eine Welle von innovativen deutschen Start-Ups. Ich finde den Begriff "Gründer" allerdings passender. Man findet sie in der Fläche, eher in kleinen oder mittleren Städten und auch über die sozialen Medien. 

 

Ein Freund versuchte letztens aus einem Unternehmen, dass international tätig ist (ein sogenannter "global player"), zu einem oben genannten Gründerunternehmen oder zu einem typischen Mittelständler zu wechseln. Als Vertriebler, dachte er, sollte das kein Problem sein. 

 

Er wollte damit ein persönliches Zeichen setzen. Ein Zeichen für mehr nationales Engagement, für mehr deutsche Werte auch im beruflichen Umfeld, für nachhaltiges Wirtschaften in Deutschland. Er suchte auf dem ersten Arbeitsmarkt, klassisch über Jobbörsen und Ähnliches. Und fand nichts. Keines dieser Unternehmen fand sich dort mit Arbeitsplatzangeboten wieder. Er suchte in den sozialen Medien. Und fand nichts. Er kontaktierte Headhunter. Und fand nichts. Schließlich suchte er auf dem verdeckten Arbeitsmarkt. Über LinkedIn, Xing und Ähnliche. Und fand nichts.

 

Was er zuhauf fand, waren die üblichen großen Mittelständler und Konzerne, denen diese Art, die Welt zu sehen, völlig unbekannt ist. Die dem goldenen Kalb gern alles unterordnen. Geschäft, Personal und eben auch Werte.

 

Aber die kleinen, innovativen Firmen, Manufakturen und Unternehmer, die für etwas stehen, die den Begriff "Made in Germany" mit einer bestimmten Qualität füllen und die ihrerseits als Zulieferer auch Firmen in Deutschland wählen, die fand er auf dem Arbeitsmarkt nicht. Sie scheinen noch zu neu und klein zu sein, um einen Vertriebler zu benötigen. 

 

Was allerdings in allen Kanälen überhaupt nicht auftauchte, war der traditionelle Mittelstand. Der größere Handwerksbetrieb. Der Mittelständler, der sich lokal auf seine Stadt als Einzugsgebiet beschränkt. Der Produktionsbetrieb, der seine Produktionstätten ausschließlich in Deutschland hat. Und die alle bewußt für die deutsche Wertarbeit stehen. Und damit das Land stärken. Der Globalisierung die Tür höflich, aber bestimmt verschließen. Zu Gunsten von deutschen Produktionsketten, deutschen Waren, deutschen Arbeitsplätzen und damit auch letztlich deutschen Werten. Damit das Geld in unserem Land bleibt und nicht aus unserer Heimat fliesst. Damit die Identifikation der Arbeitnehmer nicht nur mit der Firma, sondern auch mit unserem Land stattfindet.

 

Und schlußendlich, damit wir nachhaltig sein können in unserer Wirtschaftsentwicklung. 

 

Der suchende Freund fand also entweder sehr kleine Firmen, die seinen Wertevorstellungen zwar entsprachen, die jedoch erst maximal fünf Jahre am Markt waren und bei denen noch viel in einer Hand lag. 

Oder er fand die üblichen Internationalisten, die ihm zu wenig Nachhaltigkeit in ihren Werten boten und er damit keine innere Zufriedenheit während seiner Tätigkeit erlangen konnte. Nichts wirklich Sinnstiftendes tun konnte. 

 

Kurz gesagt: entweder man verstand ihn, konnte ihm aber aufgrund der Größe des Betriebes nichts Passendes anbieten, oder man verstand sein Anliegen nicht, weil man aufgrund der Größe des Unternehmens einem globalisierten "Mindset" unterlag. 

 

Und so frage ich nochmal: Wo sind all die Firmen hin? All die deutschen Unternehmer, die vielleicht in zweiter und dritter Generation den Betrieb führen und lokal agieren und sich engagieren? Wo sind sie hin? Die Mittelständler? Ausverkauft? Übernommen? Abgewickelt?  

 

Diese Entwicklung, die augenscheinlich schon seit mehreren Jahren fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit von statten geht, finde ich bedenklich. 

 

Internationale Konzerne fühlen sich naturgemäß nicht den Ländern verpflichtet, in denen sie Geschäfte machen. Die jeweiligen Länder sind da nur Möglichkeiten zur Gewinnmaximierung. Über Lobbyisten ist es für sie ein Leichtes, Einfluß auf die politischen Kräfte eines Landes zu nehmen. Und damit auch Bedingungen auszuhandeln, die ihnen nützlich sind. 

Der Mittelständler, der in Mitteldeutschland in einer Stadt Kekse produziert, der interessiert sich für die lokale Kundschaft. Das Mineralwasserabfüllunternehmen ist ebenso  an den Ort gebunden. Und der Herrenausstatter mit nur einer Filiale wird sich auch lokal interessieren. Sie alle sind über Handwerkskammern respektive IHKs vernetzt und regional organisiert. Und das ist gut so. Das stärkt die einzelnen Städte, Regionen und damit unsere Heimat. Im Gegensatz zu denen, die nur schnell abgrasen und dann weiterziehen. 

 

Und daher: Lasst uns gemeinsam auch bei der Wahl unserer Arbeitsplätze darauf schauen, welche Werte das Unternehmen lebt. Auch wenn das heißt unter Umständen die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. Warum? Weil wir damit helfen, dass das Geld im Land bleibt. Weil wir ein Zeichen setzen für die Wertschöpfungskette in Deutschland. Und weil wir auch den deutschen Mittelstand stärken. 

 

Für ein starkes: Made in Germany 


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